Dicke Kinder – traurige Kinder
Wer sich hin und wieder ein wenig die Zeit vertreibt und auf youtube Videos anschaut, der hat bestimmt auch die Videos gesehen, in denen dicke Kinder bloßgestellt und der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Ich habe keine Ahnung wer so etwas filmt um es dann ins Netz stellen. Eltern können das doch wohl nicht sein? Geschwister vielleicht? Ist auch egal. Wer auch immer glaubt, dass so etwas lustig ist, der braucht vermutlich dringend selber Hilfe.
Dicke Kinder gibt es immer mehr. Und wenn das Übergewicht so extrem ist, dass schon Vierjährige 70 oder 80 Kilo wiegen, dann ist das alles andere als lustig. Eltern die zusehen, wie ihre Kinder so dick werden, ohne etwas dagegen zu unternehmen, betreiben in meinen Augen fahrlässige Körperverletzung. Man hört das ja immer wieder: „Das liegt in der Familie“ oder „das sind die Drüsen“. Sicher spielen die Daten, die in den Genen schlummern eine Rolle, wie Nahrung verwertet wird. Das macht sich aber nicht in 70 Kilo Übergewicht bemerkbar, bestenfalls in 3-5 Kilo. Und sicher gibt es auch Menschen, deren Hormonhaushalt durch kranke Drüsen falsch tickt. Aber der Prozentsatz ist bei Weitem nicht so hoch, wie der Anteil der dicken Kinder.
Für dicke Kinder ist das Leben schwer. Sie werden ausgegrenzt und ausgelacht. Sie können in der Schule keine guten Leistungen im Sport erreichen und oft wird dick mit doof gleichgestellt. Kinder die zu Hause keine Unterstützung finden, um dieses Problem in den Griff zu bekommen, leiden seelisch enorm. Sie ziehen sich zurück und essen aus lauter Frust noch mehr. Immer mehr Kinder wiegen schon vor der Pubertät so viel, dass ihre Gesundheit gefährdet ist. Jahrelanges Übergewicht in jungen Jahren, ist oft der Grund für diverse Krankheiten wie Diabetes, Gelenkschäden, Rheuma, Rückenbeschwerden. Auch innere Organe sind in Mitleidenschaft gezogen. Denn das Fett, das außen sichtbar ist, legt sich auch um die Organe herum und lagert sich in ihnen ab. Dadurch funktionieren sie nicht mehr einwandfrei und machen den Körper krank.
Kinder in einer solchen Situation brauchen dringend Hilfe und Unterstützung. Sie müssen motiviert werden, gegen alle Gewohnheiten, die sie von zu Hause kennen, ihre Ernährung umzustellen. Das geht am Besten, wenn man mit Leidensgenossen zusammen das gleich Problem in Angriff nimmt. Spezielle Kliniken, die sich genau darauf konzentrieren, haben immer mehr regen Zulauf. Je nach Übergewicht bleiben die Kinder sechs bis zwölf Wochen oder auch ein halbes Jahr, gehen dort zur Schule, und lernen, wie sie mit ihrem Körper umgehen können, damit er gesund bleibt. Sie lernen gesunder Nahrungsmittel kennen und wie man sie schmackhaft zubereitet. Sie lernen aber auch, dass Energie, die man aufnimmt, verbrannt werden muss, damit sie nicht in den Fettzellen abgelegt wird. Sport ist ein zentrales Element einer solchen Kur für Kinder. Und der Sport wird angenommen. Denn es ist keiner da, der sie auslacht, sondern im Gegenteil, ständig motiviert und jede kleine Steigerung belohnt. Die meisten Kinder kommen so ein gutes Stück in Richtung Normalgewicht und kommen mit einer guten Kondition aus der Kur zurück. Ob der Erfolg von Dauer ist, hängt anschließend gerade bei Kindern, stark von der Familie ab. Hier muss Unterstützung vorhanden sein und im besten Fall, hat sie in der Zeit der Kur auch die Gelegenheit genutzt und Nahrungsgewohnheiten und Lebensstil geändert. Der Lohn für all das sind gesunde Kinder, die nicht nur hübsch anzusehen sind, sondern auch ein besseres Selbstbewusstsein haben und letztlich bessere Leistungen in der Schule bringen.
Dicke Kinder brauchen keinen Spott, sondern Hilfe. Sie haben sich nicht fürs Dicksein entschieden, sondern sind unverschuldet in diese Situation gekommen. Und Hut ab vor denen, die sich – gegen alle Widerstände – aus diesem Teufelskreis herausarbeiten!
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