Archiv

Archiv für die Kategorie ‘Krankheiten’

Magersucht – Klapprig um jeden Preis

29. Juni 2009 Keine Kommentare

Es beginnt vielleicht mit dem kleinen Speckröllchen, das einen an den Hüften stört. Oder die vier bis fünf Kilo, die die Waage dem Empfinden nach zuviel anzeigt. Schließlich sehen die Models auf den Laufstegen und in den Versandhauskatalogen doch viel anders aus: Glatte Haut und kein Gramm Fett auf den Rippen! Schön!!? Zumindest macht uns das die Modebranche glauben. Viele Frauen zwingt dieses Streben nach perfektem Aussehen in den stetigen Kampf mit ihrem Gewicht. Manche können dann oft nicht mehr bremsen. Die Folge: Essstörungen bis hin zur Magersucht.

Problematik

Nicht nur Laufsteg-Models der Modegiganten Armani & Co. sind von dem gefährlichen Schlankheitswahn betroffen, der erst kürzlich dem jungen brasilianischen Model Ana Carolina Reston das Leben gekostet hat. Die Modebranche hat einfach großen Einfluss auf das Schönheitsempfinden der Gesellschaft. War Marilyn Monroe mit ihren üppigen Formen in den 50-igern noch ein erstrebenswertes Sexsymbol, würde sie in der heutigen Zeit wahrscheinlich aufgrund ihrer Rundungen nicht einmal eine Film-Hauptrolle bekommen. Das Schönheitsempfinden hat sich immens geändert und in den letzten Jahren leider ein extremes Ausmaß angenommen: Die Models auf den Laufstegen können sich auf ihren Zahnstochern kaum noch gerade halten, ihre Oberschenkel sind genauso dünn wie ihre Waden. Ihre Wangen sind eingefallen. Am liebsten würde man ihnen etwas Essbares zuwerfen. Sie sehen einer Todkranken auf einer Intensivstation ähnlicher als einem Mädchen, das mitten im Leben steht. Die Gesellschaft verinnerlicht sich diese Bilder und eifert ihnen – unverständlicherweise – nach. Leider sind zudem nun mittlerweile nicht nur Frauen sondern auch immer mehr Männer von Essstörungen wie Magersucht und Bulimie betroffen. Tendenz steigend.

Häufigste Arten der Essstörungen und Behandlung

Essgestörte Menschen definieren sich nur mehr über ihr Gewicht und ihre Figur. Ihr Selbstwertgefühl hängt von ihrem Durchstehvermögen dem Essen gegenüber ab. Es dreht sich jeder Gedanke um den ersehnten Gewichtsverlust. Obwohl Magersüchtige wegen ihres stetigen Gefühls „zu dick“ zu sein nur minimale Kost zu sich nehmen, fühlen sie sich nach dem – für normale Verhältnisse sehr kargen – Mahl oft trotzdem schlecht und haben Schuldgefühle. Menschen, die der Ess-Brech-Sucht, genannt Bulimie, verfallen sind, speisen hingegen mit Genuss und in Überfülle. Um die Kalorien trotzdem nicht büßen zu müssen, bringen sie sich nach ihren Fressattacken zum Erbrechen. Über 200.000 junge Menschen leiden allein in Deutschland an Magersucht oder Bulimie. Angeblich verlaufen sogar 15 Prozent der Erkrankungen tödlich. Die häufigsten Todesursachen sind Infektionen, Unterernährung, Wasser- und Elektrolytverlust und Selbstmord – aufgrund von Depressionen.

Bei frühzeitiger Behandlung kann das gestörte Verhältnis zum Essen und zum eigenen Körper mit umfangreichen und meist langwierigen Psychotherapien im Krankenhaus oder auch ambulant meist wieder ins Lot gebracht werden. Einzige Voraussetzung: Die Einsicht und der Wille des Patienten: Wohl die größte Hürde wie bei jeder Suchterkrankung.
Für Betroffene und deren Angehörige gibt es übrigens eine sehr hilfreiche Webseite einer Selbsthilfegruppe für Essstörungen: http://www.hungrig-online.de.

Fazit

Wenn alle Schuld vielleicht auch nicht auf die Modeverantwortlichen zu schieben ist, die mit ihren klapprigen Püppchen die Welt verrückt machen, so ist doch zu hoffen, dass die Rufe der empörten Öffentlichkeit mit der Zeit fruchten werden und bald wieder gesund wirkende Models über den Laufsteg spazieren. Nicht zuletzt ist aber wohl auch an die Eigenverantwortlichkeit der Gesellschaft für sich selbst zu appellieren. Denn: „Viel zuviel Wert auf die Meinung anderer zu legen ist ein allgemein herrschender Irrwahn“, sagte einst schon Schopenhauer (1788-1860) und da hatte er wohl sehr recht…

Link To This Page
1. Click inside the codebox
2. Right-Click then Copy
3. Paste the HTML code into your webpage
codebox
 
Categories: Krankheiten Tags: ,

Savants – die Wissenden

28. Juni 2009 Keine Kommentare

Als Savants oder Inselbegabte bezeichnet die Wissenschaft Menschen, die trotz einer kognitiven, also die Wahrnehmungsfähigkeit einschränkenden, psychischen oder geistigen Behinderungen in einem gewissen Bereich geniale Fähigkeiten an den Tag legen. Zur Zeit sind weltweit ca. 100 Savants bekannt, wovon etwa die Hälte als Autisten gelten.

Der wahre „Rainman“

Als Mega-Savant wird der mittlerweile 54-jährige Amerikaner Kim Peek angesehen. Die Fähigkeiten des autistischen Mannes sind so bemerkenswert, dass seine Geschichte dem Drehbuchautor Barry Morrow als Grundlage für den Film „Rainman“ diente. Als Dustin Hoffman für seine Darstellung in diesem Film den Oscar erhielt, widmete er ihn in seiner Rede Kim Peek.

Kim war von Anfang an kein gewöhnliches Kind. Sein Kopf war um etwa ein Drittel größer als bei anderen Kindern und auch beim Laufen und Sprechen lag er in der Entwicklung weit hinter Gleichaltrigen zurück. Andererseits entwickelte er sonderbare Gewohnheiten, wie etwa das Sortieren von Papierschnipseln, wobei er auf Störungen während dieser Tätigkeit hysterisch reagierte. Bis zum Weihnachtsfest 1963 schenkte man Kims Behinderung keine besondere Beachtung, als etwas Seltsames geschah.

Als Kim zur Bescherung ein Weihnachtsgedicht aufsagen sollte, rezitierte er die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium, die er am selben Tag in der Kirche gehört hatte. Ab diesem Zeitpunkt wurde man auf Kims Talent aufmerksam.

Mittlerweile zählen seine Begabungen zu den bemerkenswertesten dieser Welt. Der Mega-Savant kennt den Inhalt aus 12.000 (!) Büchern, sowie sämtliche Postleitzahlen, Telefonvorwahlen, Busverbindungen und das gesamte Straßennetz der USA und Kanada auswendig. Trotz dieser zweifellos genialen Begabung ist Kim aufgrund seiner Behinderung nicht fähig, sich ein Sandwich zu machen.

Mögliche Ursachen des Savant Syndroms

Die genauen Gründe für die Entstehung von solchen Inselbegabungen kennt die Wissenschaft noch nicht. Man geht jedoch davon aus, dass eine überhöhte Ausschüttung des männlichen Sexualhormons Testosteron während der embryonalen Entwicklung ein Grund für die anormale Entwicklung des Gehirns bei Savants ist. Weiters konnte man beobachten, dass bei Savants die Filtermechanismen des Kleinhirns gestört sind. Während bei normalen Menschen nur die als relevant erachteten Informationen in das Bewußtseinszentrum des Großhirns gelangen, scheinen Savants einen Zugriff auf alle jemals aufgenommen Informationen zu haben und diese abrufen zu können, ungeachtet ihrer Relevanz.

Im Prinzip funktionieren Savants wie Computer. Sie rufen Informationsblöcke aus ihrem Gehirn ab, verketten diese untereinander und speichern sie als neue Information ab. Dieses Prinzip führt zu Gedankenleistungen, die unser gewöhnliches Denken als sehr blass erscheinen lässt.

Fenster in ein neues Universum

Die Wissenschaft betrachtet Savants als ein Fenster in ein neues Universum mitten in uns. Wie würde wohl eine Welt aussehen in der es möglich wäre, jedem von uns die geistigen Fähigkeiten eines Savants zu geben?

Link To This Page
1. Click inside the codebox
2. Right-Click then Copy
3. Paste the HTML code into your webpage
codebox
 
Categories: Krankheiten Tags:

Das Borderline-Syndrom

28. Juni 2009 Keine Kommentare

Immer wieder hört man in den Medien von Gewalttaten, bei denen gerne von „Kurzschlusshandlungen“ gesprochen wird. Scheinbar grundlos fügen manche Menschen ihrem Umfeld schweren Schaden zu, ohne danach einen Auslöser nennen zu können. Nicht selten ist die Ursache dafür eine schwere Persönlichkeitsstörung, die unter dem Namen Borderline-Syndrom bekannt ist.

Was ist das Borderline-Syndrom?

1938 untersuchte der Psychoanalytiker Adolph Stern Patienten, deren Erkrankung mit den damaligen psychoanalytischen Methoden nur unzureichend behandelt werden konnten. Da er die charakteristischen Anzeichen als Grenzfall (engl. Borderline) zwischen Psychose und Neurose sah, spricht man auch heute noch vom Borderline-Syndrom oder von einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS).

Die Symptome bei am Borderline-Symptom erkrankten Personen sind sehr vielfältig und individuell. Meist treten bei diesen Menschen Schübe von Angst, Depression oder Wut auf, die oft nur wenige Stunden aber auch einige Tage anhalten können. Diese Schübe führen durch die mangelnde Impulskontrolle der Betroffenen zu selbstzerstörerischen Tätigkeiten wie Alkohol- oder Drogenmissbrauch, Selbstverletzungen, riskanten Sexualpraktiken bis hin zum Selbstmord.

Ein weiteres Symptom ist das häufige Auftreten von Wahrnehmungsstörungen ähnlich einer Psychose. Im Gegensatz zu Psychotikern sind Borderline-Erkrankte in der Regel jedoch fähig, ihre Halluzinationen als solche zu erkennen und fühlen sich dadurch gegenüber ihrer eigenen Persönlichkeit fremd.

Im sozialen Bereich sind Borderline-Erkrankte höchst instabil. Durch ihr gestörtes Selbstbild kann die Bewunderung oder Liebe für andere Menschen oft schlagartig in Hass oder Feindschaft umschlagen. Die Schwierigkeit, das Verhalten anderer richtig zu deuten führt meist zu einer Überinterpretation der Situation, die die Borderliner nicht selten als feindselig empfinden.

Ursachen des Borderline-Syndroms

Obwohl die genauen Ursachen für die Manifestation des Borderline-Syndroms nicht genau bekannt sind, ist bei vielen Borderline-Patienten eine Vorgeschichte aus sexuellem Missbrauch, häuslicher Gewalt, Vernachlässigung oder emotionaler Kälte der Eltern vorhanden. Diese meist im Kindesalter ausgelösten Ereignisse scheinen ein Hauptgrund für das spätere Auftreten der schweren Persönlichkeitsstörung zu sein.

Da die Betroffenen durch ihren selbstschädigenden Lebensstil gekennzeichnet sind, werden sie auch wesentlich häufiger Opfer von Gewaltverbrechen und Vergewaltigungen. Dieser Umstand führt wiederum zu einer Verstärkung des Krankheitsbildes und fördert die suizidalen und autoagressiven Tendenzen.

Therapierbarkeit

Die Behandlungsmöglichkeiten für Borderline-Patienten haben sich in den letzten Jahren stark verbessert. In Gruppen- oder Einzeltherapiesitzungen wird versucht, die traumatischen Vor- und Früherfahrungen aufzuarbeiten. Unterstützend können auch die Zielsymptome mit Hilfe von Antidepressiva, Stimmungsstabilisatoren und Neuroleptika (Anti-psychotische Medikamente) behandelt werden.

Obwohl nicht so bekannt wie Schizophrenie oder manische Depression, tritt das Borderline-Syndrom häufiger auf und dürfte mittlerweile 2-3% der Erwachsenen betreffen. Dank umfangreicher psychischer Betreuung und moderner Therapien kann heutzutage vielen Betroffenen auf lange Frist ein selbständiges und sinnvolles Leben ermöglicht werden.

Link To This Page
1. Click inside the codebox
2. Right-Click then Copy
3. Paste the HTML code into your webpage
codebox
 
Categories: Krankheiten Tags:

Pro Ana – Selbstzerstörung als Lebensstil

15. Juni 2009 Keine Kommentare

„Der Geist ist denselben Gesetzen unterworfen wie der Körper: Beide können sich nur durch beständige Nahrung erhalten“, stellte einst der französische Schriftsteller Luc de Clapiers (1715-1747) fest. Eben diese beständige und lebenserhaltende Nahrung für ihren Körper verwehren sich vor allem junge Menschen, die es sich zum Lebensinhalt machen, soviel wie möglich an Gewicht zu verlieren. Manche bis hin zum Tod. Sie haben die Nahrung zu ihrem größten Feind erkoren und das Schrecklichste daran: Sie schließen sich zu Vereinigungen zusammen, um sich dabei gegenseitig zu unterstützen. „Pro Ana“ heißen diese Organisationen, tummeln sich im Internet und verherrlichen das Hungern.

Schlankheitsideal wird zum Wahn

„Ich muss alles dafür tun, dünner zu sein!“ oder „Dünn sein ist wichtiger als gesund sein!“ sind nur zwei von vielen makaber anmutenden Geboten der meisten Pro Ana-Organisationen. Anhänger dieser Webseiten sind zum größten Teil junge Mädchen, die in den Foren ihre Erfahrungen im Hinblick auf ihre Magersucht austauschen und sich mit Sätzen wie „Ich darf nicht essen, ohne mich schuldig zu fühlen“ noch weiter in ihrem selbstzerstörerischen Tun bestärken lassen. „Pro Ana“, das soviel bedeutet wie „Für Magersucht“ leitet sich von dem medizinischen Begriff für die psychische Krankheit Magersucht ab: Anorexia nervosa. Als Krankheit wird sie von dem Großteil der Betroffenen allerdings nicht gesehen. Viele begreifen diese Art zu leben und zu hungern als Lebensstil, ihre Ziele sind Schönheit und Perfektion. Sie erleben mit dem Hungern ein Gefühl der Kontrolle über sich und ihren Körper. Die Webforen der Pro Ana-Webseiten helfen ihnen dabei, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und sich gegenseitig bei ihrem Vorhaben, weiterhin abzunehmen, anzuspornen. Auch finden sie auf solchen Webseiten Ratschläge, wie sie ihre Magersucht optimal vor ihren Freunden, Bekannten und der Familie verstecken und sich am besten von aufkommendem Hunger ablenken können. Ihre Schönheitsideale sind u.a. bis auf die Knochen abgemagerte Models.

Glückshormone und gesundheitliche Probleme

Wie beim Extremsportler – und das ist das Furchtbare – setzt diese extreme Selbstbeherrschung beim Hungern Glückshormone frei. Endorphine werden ausgeschüttet, der Hormonkick bewirkt das Empfinden eines angenehmen Glücksgefühls. Doch das Glück täuscht: Die über lange Zeit vollführte Mangelernährung sorgt für brüchige Knochen, Herzrhythmusstörungen und Kreislaufkollaps bis hin zu Fehlfunktionen der Organe.

Expertenmeinungen gehen auseinander

Pro Ana sieht das Hungern teilweise als Lebensgefühl und nicht als Krankheit an. Experten meinen aber, dass Magersüchtige manchmal durchaus ihre Erkrankung erkennen und Pro Ana-Foren nutzen, um vor der Auseinandersetzung mit ihrer Krankheit und einer Heilung flüchten. Zum einen ist die emotionelle Unterstützung der sich mit ihren Problemen oft allein gelassen fühlender Magersüchtiger auf den Webseiten zu begrüßen, andererseits verstärken oder wecken Pro Ana-Seiten mit ihren Abnehm-Ratschlägen durchaus die Idee des Hungerns als ideale Art zu leben. Web-Suchmaschinen wie Yahoo, Lycos und einige andere haben mittlerweile einige Pro Ana-Seiten von ihrem Index verbannt, doch existieren immer noch genügend dieser Web-Foren. Einige Pro-Anorexie-Seiten versuchen sich mittlerweile von Angriffen durch Gegner zu schützen, indem sie ihre Foren nur mehr von ausgesuchten Mitgliedern, also Magersüchtigen, die es auch bleiben wollen, betreten lassen.

Wege aus der Magersucht

Es gibt indessen auch schon mildere Formen von Pro Ana-Webseiten mit Links zu Webseiten, die es sich zur Aufgabe machen, Wege aus der Magersucht aufzuzeigen. Den meisten ist das aber nicht genug. Immerhin ist Anorexie laut Harvard-Professor Dr. David Herzog die psychische Krankheit mit der höchsten Sterblichkeitsrate – fünfzehn Prozent der Magersüchtigen finden den Tod.

Hier einige Bücher zum Thema ProAna:


Link To This Page
1. Click inside the codebox
2. Right-Click then Copy
3. Paste the HTML code into your webpage
codebox
 
Categories: Krankheiten Tags: , ,