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Das Borderline-Syndrom

28. Juni 2009

Immer wieder hört man in den Medien von Gewalttaten, bei denen gerne von „Kurzschlusshandlungen“ gesprochen wird. Scheinbar grundlos fügen manche Menschen ihrem Umfeld schweren Schaden zu, ohne danach einen Auslöser nennen zu können. Nicht selten ist die Ursache dafür eine schwere Persönlichkeitsstörung, die unter dem Namen Borderline-Syndrom bekannt ist.

Was ist das Borderline-Syndrom?

1938 untersuchte der Psychoanalytiker Adolph Stern Patienten, deren Erkrankung mit den damaligen psychoanalytischen Methoden nur unzureichend behandelt werden konnten. Da er die charakteristischen Anzeichen als Grenzfall (engl. Borderline) zwischen Psychose und Neurose sah, spricht man auch heute noch vom Borderline-Syndrom oder von einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS).

Die Symptome bei am Borderline-Symptom erkrankten Personen sind sehr vielfältig und individuell. Meist treten bei diesen Menschen Schübe von Angst, Depression oder Wut auf, die oft nur wenige Stunden aber auch einige Tage anhalten können. Diese Schübe führen durch die mangelnde Impulskontrolle der Betroffenen zu selbstzerstörerischen Tätigkeiten wie Alkohol- oder Drogenmissbrauch, Selbstverletzungen, riskanten Sexualpraktiken bis hin zum Selbstmord.

Ein weiteres Symptom ist das häufige Auftreten von Wahrnehmungsstörungen ähnlich einer Psychose. Im Gegensatz zu Psychotikern sind Borderline-Erkrankte in der Regel jedoch fähig, ihre Halluzinationen als solche zu erkennen und fühlen sich dadurch gegenüber ihrer eigenen Persönlichkeit fremd.

Im sozialen Bereich sind Borderline-Erkrankte höchst instabil. Durch ihr gestörtes Selbstbild kann die Bewunderung oder Liebe für andere Menschen oft schlagartig in Hass oder Feindschaft umschlagen. Die Schwierigkeit, das Verhalten anderer richtig zu deuten führt meist zu einer Überinterpretation der Situation, die die Borderliner nicht selten als feindselig empfinden.

Ursachen des Borderline-Syndroms

Obwohl die genauen Ursachen für die Manifestation des Borderline-Syndroms nicht genau bekannt sind, ist bei vielen Borderline-Patienten eine Vorgeschichte aus sexuellem Missbrauch, häuslicher Gewalt, Vernachlässigung oder emotionaler Kälte der Eltern vorhanden. Diese meist im Kindesalter ausgelösten Ereignisse scheinen ein Hauptgrund für das spätere Auftreten der schweren Persönlichkeitsstörung zu sein.

Da die Betroffenen durch ihren selbstschädigenden Lebensstil gekennzeichnet sind, werden sie auch wesentlich häufiger Opfer von Gewaltverbrechen und Vergewaltigungen. Dieser Umstand führt wiederum zu einer Verstärkung des Krankheitsbildes und fördert die suizidalen und autoagressiven Tendenzen.

Therapierbarkeit

Die Behandlungsmöglichkeiten für Borderline-Patienten haben sich in den letzten Jahren stark verbessert. In Gruppen- oder Einzeltherapiesitzungen wird versucht, die traumatischen Vor- und Früherfahrungen aufzuarbeiten. Unterstützend können auch die Zielsymptome mit Hilfe von Antidepressiva, Stimmungsstabilisatoren und Neuroleptika (Anti-psychotische Medikamente) behandelt werden.

Obwohl nicht so bekannt wie Schizophrenie oder manische Depression, tritt das Borderline-Syndrom häufiger auf und dürfte mittlerweile 2-3% der Erwachsenen betreffen. Dank umfangreicher psychischer Betreuung und moderner Therapien kann heutzutage vielen Betroffenen auf lange Frist ein selbständiges und sinnvolles Leben ermöglicht werden.

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