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Pro Ana – Selbstzerstörung als Lebensstil

15. Juni 2009

„Der Geist ist denselben Gesetzen unterworfen wie der Körper: Beide können sich nur durch beständige Nahrung erhalten“, stellte einst der französische Schriftsteller Luc de Clapiers (1715-1747) fest. Eben diese beständige und lebenserhaltende Nahrung für ihren Körper verwehren sich vor allem junge Menschen, die es sich zum Lebensinhalt machen, soviel wie möglich an Gewicht zu verlieren. Manche bis hin zum Tod. Sie haben die Nahrung zu ihrem größten Feind erkoren und das Schrecklichste daran: Sie schließen sich zu Vereinigungen zusammen, um sich dabei gegenseitig zu unterstützen. „Pro Ana“ heißen diese Organisationen, tummeln sich im Internet und verherrlichen das Hungern.

Schlankheitsideal wird zum Wahn

„Ich muss alles dafür tun, dünner zu sein!“ oder „Dünn sein ist wichtiger als gesund sein!“ sind nur zwei von vielen makaber anmutenden Geboten der meisten Pro Ana-Organisationen. Anhänger dieser Webseiten sind zum größten Teil junge Mädchen, die in den Foren ihre Erfahrungen im Hinblick auf ihre Magersucht austauschen und sich mit Sätzen wie „Ich darf nicht essen, ohne mich schuldig zu fühlen“ noch weiter in ihrem selbstzerstörerischen Tun bestärken lassen. „Pro Ana“, das soviel bedeutet wie „Für Magersucht“ leitet sich von dem medizinischen Begriff für die psychische Krankheit Magersucht ab: Anorexia nervosa. Als Krankheit wird sie von dem Großteil der Betroffenen allerdings nicht gesehen. Viele begreifen diese Art zu leben und zu hungern als Lebensstil, ihre Ziele sind Schönheit und Perfektion. Sie erleben mit dem Hungern ein Gefühl der Kontrolle über sich und ihren Körper. Die Webforen der Pro Ana-Webseiten helfen ihnen dabei, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und sich gegenseitig bei ihrem Vorhaben, weiterhin abzunehmen, anzuspornen. Auch finden sie auf solchen Webseiten Ratschläge, wie sie ihre Magersucht optimal vor ihren Freunden, Bekannten und der Familie verstecken und sich am besten von aufkommendem Hunger ablenken können. Ihre Schönheitsideale sind u.a. bis auf die Knochen abgemagerte Models.

Glückshormone und gesundheitliche Probleme

Wie beim Extremsportler – und das ist das Furchtbare – setzt diese extreme Selbstbeherrschung beim Hungern Glückshormone frei. Endorphine werden ausgeschüttet, der Hormonkick bewirkt das Empfinden eines angenehmen Glücksgefühls. Doch das Glück täuscht: Die über lange Zeit vollführte Mangelernährung sorgt für brüchige Knochen, Herzrhythmusstörungen und Kreislaufkollaps bis hin zu Fehlfunktionen der Organe.

Expertenmeinungen gehen auseinander

Pro Ana sieht das Hungern teilweise als Lebensgefühl und nicht als Krankheit an. Experten meinen aber, dass Magersüchtige manchmal durchaus ihre Erkrankung erkennen und Pro Ana-Foren nutzen, um vor der Auseinandersetzung mit ihrer Krankheit und einer Heilung flüchten. Zum einen ist die emotionelle Unterstützung der sich mit ihren Problemen oft allein gelassen fühlender Magersüchtiger auf den Webseiten zu begrüßen, andererseits verstärken oder wecken Pro Ana-Seiten mit ihren Abnehm-Ratschlägen durchaus die Idee des Hungerns als ideale Art zu leben. Web-Suchmaschinen wie Yahoo, Lycos und einige andere haben mittlerweile einige Pro Ana-Seiten von ihrem Index verbannt, doch existieren immer noch genügend dieser Web-Foren. Einige Pro-Anorexie-Seiten versuchen sich mittlerweile von Angriffen durch Gegner zu schützen, indem sie ihre Foren nur mehr von ausgesuchten Mitgliedern, also Magersüchtigen, die es auch bleiben wollen, betreten lassen.

Wege aus der Magersucht

Es gibt indessen auch schon mildere Formen von Pro Ana-Webseiten mit Links zu Webseiten, die es sich zur Aufgabe machen, Wege aus der Magersucht aufzuzeigen. Den meisten ist das aber nicht genug. Immerhin ist Anorexie laut Harvard-Professor Dr. David Herzog die psychische Krankheit mit der höchsten Sterblichkeitsrate – fünfzehn Prozent der Magersüchtigen finden den Tod.

Hier einige Bücher zum Thema ProAna:


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