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Savants – die Wissenden

28. Juni 2009

Als Savants oder Inselbegabte bezeichnet die Wissenschaft Menschen, die trotz einer kognitiven, also die Wahrnehmungsfähigkeit einschränkenden, psychischen oder geistigen Behinderungen in einem gewissen Bereich geniale Fähigkeiten an den Tag legen. Zur Zeit sind weltweit ca. 100 Savants bekannt, wovon etwa die Hälte als Autisten gelten.

Der wahre „Rainman“

Als Mega-Savant wird der mittlerweile 54-jährige Amerikaner Kim Peek angesehen. Die Fähigkeiten des autistischen Mannes sind so bemerkenswert, dass seine Geschichte dem Drehbuchautor Barry Morrow als Grundlage für den Film „Rainman“ diente. Als Dustin Hoffman für seine Darstellung in diesem Film den Oscar erhielt, widmete er ihn in seiner Rede Kim Peek.

Kim war von Anfang an kein gewöhnliches Kind. Sein Kopf war um etwa ein Drittel größer als bei anderen Kindern und auch beim Laufen und Sprechen lag er in der Entwicklung weit hinter Gleichaltrigen zurück. Andererseits entwickelte er sonderbare Gewohnheiten, wie etwa das Sortieren von Papierschnipseln, wobei er auf Störungen während dieser Tätigkeit hysterisch reagierte. Bis zum Weihnachtsfest 1963 schenkte man Kims Behinderung keine besondere Beachtung, als etwas Seltsames geschah.

Als Kim zur Bescherung ein Weihnachtsgedicht aufsagen sollte, rezitierte er die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium, die er am selben Tag in der Kirche gehört hatte. Ab diesem Zeitpunkt wurde man auf Kims Talent aufmerksam.

Mittlerweile zählen seine Begabungen zu den bemerkenswertesten dieser Welt. Der Mega-Savant kennt den Inhalt aus 12.000 (!) Büchern, sowie sämtliche Postleitzahlen, Telefonvorwahlen, Busverbindungen und das gesamte Straßennetz der USA und Kanada auswendig. Trotz dieser zweifellos genialen Begabung ist Kim aufgrund seiner Behinderung nicht fähig, sich ein Sandwich zu machen.

Mögliche Ursachen des Savant Syndroms

Die genauen Gründe für die Entstehung von solchen Inselbegabungen kennt die Wissenschaft noch nicht. Man geht jedoch davon aus, dass eine überhöhte Ausschüttung des männlichen Sexualhormons Testosteron während der embryonalen Entwicklung ein Grund für die anormale Entwicklung des Gehirns bei Savants ist. Weiters konnte man beobachten, dass bei Savants die Filtermechanismen des Kleinhirns gestört sind. Während bei normalen Menschen nur die als relevant erachteten Informationen in das Bewußtseinszentrum des Großhirns gelangen, scheinen Savants einen Zugriff auf alle jemals aufgenommen Informationen zu haben und diese abrufen zu können, ungeachtet ihrer Relevanz.

Im Prinzip funktionieren Savants wie Computer. Sie rufen Informationsblöcke aus ihrem Gehirn ab, verketten diese untereinander und speichern sie als neue Information ab. Dieses Prinzip führt zu Gedankenleistungen, die unser gewöhnliches Denken als sehr blass erscheinen lässt.

Fenster in ein neues Universum

Die Wissenschaft betrachtet Savants als ein Fenster in ein neues Universum mitten in uns. Wie würde wohl eine Welt aussehen in der es möglich wäre, jedem von uns die geistigen Fähigkeiten eines Savants zu geben?

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