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Madame Tussauds Wachsfiguren

7. Juni 2009

Vor unglaublichen 172 Jahren hat Madame Tussaud ihr Wachsfigurenkabinett in London eröffnet. Nach wie vor ist das Museum mit den lebensecht wirkenden Nachbildungen berühmter Figuren aus der Geschichte und der Gegenwart – von der königlichen Familie Englands bis zu Robbie Williams und Christina Aguilera – ein Publikumsmagnet.

Vielseitiges Angebot

Wo sonst außer auf den Filmfestivals in Cannes oder auf einer der vielen Schickimicki-Partys in Hollywood hat man – noch dazu als Normalsterblicher – die Möglichkeit, derart viele Persönlichkeiten aus Film und Fernsehen hautnah und beinah lebensecht zu bestaunen? Wo sonst könnte man John Wayne mit gezücktem Zeigefinger das Fürchten lehren oder vor Hitler stehen und ihn mit einem verächtlichen Blick wissen lassen, was man von seiner damaligen Regentschaft hält? Neben dieser umfangreichen Ausstellung von Wachsfiguren sorgt zudem ein Gruselkabinett für Gänsehaut. Die Geschichte Londons bis in die Gegenwart wird veranschaulicht, man kann Captain Jack Sparrow & Co. auf seiner „Black Pearl“ aus dem Film „Fluch der Karibik“ bestaunen und sich gemeinsam mit Figuren der Queen oder anderen königlichen Familienmitgliedern ablichten lassen. Neben vielen weiteren Attraktionen wie dem „Big Brother Diary Room“ wird Schülern zudem in Workshops die Entstehung der Wachsfiguren näher gebracht.

Vom Hofe Versailles nach England

Madame Tussaud wurde als Marie Grosholtz am 1. Dezember 1761 in Straßburg geboren. Der Vater, ein elsässischer Offizier, starb kurz vor ihrer Geburt, sodass sich ihre Mutter gezwungen sah, mit ihren Kindern in ihre Schweizer Heimat zu ziehen. 1766 zogen sie weiter nach Paris zu ihrem um vieles älteren Bruder Dr. Philipp Curtius, einem Wachsbossierer und Schausteller, der 1770 seine eigene Wachsfiguren-Ausstellung eröffnete. Von ihm lernte Marie die Handwerkskunst der Wachsbildnerei. 1777 modellierte sie den berühmten Autoren und Philosophen Francois-Marie Arouet (Voltaire). Ihrem Geschick und der gönnerhaften Madame Elisabeth, der Schwester des Königs Ludwig XVI., hat sie es zu verdanken, am Hofe des Schlosses Versailles eine eigene Wohnung zu erhalten, um vor Ort die Köpfe der königlichen Mitglieder zu modellieren. Als ab 1789 im Zuge der Französischen Revolution die Köpfe des Adels ins Rollen gerieten, wurden Maries Wachsköpfe adeliger Herrschaften ebenso aufgespießt und mit Spott und Hohn durch die Straßen getragen. Ihre blaublütige Kundschaft – König Ludwig XVI. und Marie Antoinette nicht ausgenommen – verlor nach und nach den Kopf, während sie deren Totenmasken anzufertigen hatte, die für das Revolutionsmuseum bestimmt waren.
1794 vererbte Dr. Curtius seiner Nichte Marie die Wachsfiguren-Ausstellung, 1802 zog sie damit nach England, um dort und in Irland von Ort zu Ort zu ziehen. Erst 1835 eröffnete sie ein eigenes Wachsfiguren-Museum in Londons Baker Street, das sie 1842 ihren Söhnen Joseph und Francis übergab. 1884 wurde es von Madame Tussauds Enkel Joseph Randall an den jetzigen Standort in der Marylebone Road verlegt. 1925 zerstörte ein durch einen Kurzschluss entstandener Brand beinah alle Wachsfiguren, Kostüme, unbezahlbare Möbel, Gemälde und Relikte. Einzig die Gussformen blieben fast völlig erhalten, sodass das Museum nach 3 Jahren – um ein Kino und ein Restaurant erweitert – neu eröffnet werden konnte. 1940 zerstörte ein deutscher Luftangriff wieder große Teile der Ausstellung, vor allem aber das Kino und den Großteil der Gussformen. Die Figur Hitlers soll dabei übrigens zynischerweise nicht zu Schaden gekommen sein. 1958 wurde daneben ein Planetarium errichtet.
Mittlerweile existieren weitere Madame Tussauds-Wachsfigurenkabinette wie z.B. in Amsterdam, Hongkong, Las Vegas, Kopenhagen und New York City.

Kurze Ehe und zwei Söhne

Marie Grosholtz heiratete 1795 den Ingenieur Francis Tussaud. Die zwei Söhne Francis und Joseph – Letzterer hat ebenso das Wachsbildnerei-Handwerk erlernt – entstammen dieser Ehe, die nur wenige Jahre hielt. Am 16. April 1850 starb Marie Tussaud im Alter von 88 Jahren in London.

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