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Umsatzsteuer – Liquiditätsvorteil durch Wechsel zur Ist-Versteuerung

7. August 2009

Am 22. Juli 2009 ist das „Bürgerentlastungsgesetz Krankenversicherung“ verabschiedet worden und rückwirkend zum 1. Juli 2009 in Kraft getreten. Mit dem Gesetz sollte eigentlich steuerliche Absetzbarkeit von Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung verbessert werden. Darüber hinaus sind in dem Gesetz aber auch weitere, steuerliche Verbesserungen für Unternehmen berücksichtigt worden.

Eine wesentliche (Sofort-) Maßnahme dient der Verbesserung der Liquidität für den Mittelstand, die Verdoppelung der Umsatzgrenze für die Anwendbarkeit der Ist-Versteuerung von EUR 250.000,00 auf EUR 500.000,00 (§ 20 Abs. 2 UStG).

Grundsätzlich versteuern Unternehmen ihre Umsätze nach vereinbarten Entgelten (Soll-Versteuerung). Die Umsatzsteuer entsteht dabei bereits mit der Erstellung der Rechnung. Abzuführen ist die Umsatzsteuer dann 10 Tage nach dem Ende des Voranmeldungszeitraums, üblicherweise ist dies der Kalendermonat. Sollte der Kunde bis zu diesem Zeitpunkt die Rechnung noch nicht beglichen haben, entsteht für das Unternehmen ein Liquiditätsnachteil in Höhe der ausgewiesenen Umsatzsteuer.

Anders bei der Versteuerung nach vereinnahmten Entgelten (Ist-Versteuerung): Hier entsteht die Umsatzsteuer erst in dem Zeitpunkt, in dem der Kunde seine Rechnung begleicht. Für das Unternehmen entsteht insoweit kein Liquiditätsnachteil, da die Umsatzsteuer erst dann an die Finanzverwaltung abgeführt werden muss, wenn der Kunde auch tatsächlich gezahlt hat.

Diesen steuerlichen Vorteil der Ist-Versteuerung können grundsätzlich alle Unternehmer in Anspruch nehmen, deren maßgeblicher Gesamtumsatz in 2008 unter EUR 500.000,00 betragen hat. Die Unternehmensform (z.B. Einzelunternehmen oder GmbH) ist dabei unerheblich. Der bislang realisierte Umsatz in 2009 wird dabei nicht berücksichtigt.

Beispiel:

Der Unternehmer U stellt am 6. Juli 2009 eine Rechnung über EUR 20.000,00 zzgl. EUR 3.800,00 Umsatzsteuer. Kunde K zahlt diese Rechnung nach 4 Wochen, d.h. am 3. August 2009.

Berechnet U seine Umsatzsteuer nach vereinbarten Entgelten (Soll-Versteuerung), wird die Umsatzsteuer aus der Rechnung mit Ablauf des Voranmeldungszeitraums Juli 2009 fällig. Die Zahlung an das Finanzamt muss im Allgemeinen bis zum 10. August 2009 erfolgen.

Nimmt U die Erleichterungen im Rahmen der Ist-Versteuerung in Anspruch, so muss er die Umsatzsteuer erst für den Voranmeldungszeitraum August 2009 abzuführen. Die Zahlung an das Finanzamt ist erst am 10. September 2009 fällig.

Durch die Ist-Versteuerung hat U einen Liquiditätsvorteil von EUR 3.800,00 für den Zeitraum vom 10. August 2009 bis zum 10. September 2009.

Die neue Vorschrift gilt für alle Umsätze, die ab dem 1. Juli 2009 ausgeführt worden sind. Für Umsätze vor dem 1. Juli 2009 kann die Erleichterung nicht in Anspruch genommen werden (keine rückwirkende Anwendbarkeit). Somit ist die Erleichterung bereits für den Umsatzsteuer-Voranmeldungszeitraum Juli 2009 anwendbar, sofern gleichzeitig mit Abgabe der Umsatzsteuer-Voranmeldung ein entsprechender Antrag bei dem zuständigen Finanzamt gestellt wird.

Die Inanspruchnahme dieser Erleichterung hat im übrigen keine Auswirkung auf den Vorsteuerabzug.

Die gesetzliche Regelung ist zunächst auf den Zeitraum vom 1. Juli 2009 bis zum 31. Dezember 2009 beschränkt.

Autor: Wirtschaftsprüfer,
Steuerberater Alexander Neu

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