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Joaquin Phoenix – Vom Hippie-Kind zum Superstar

22. Juni 2009

Spätestens seit der erfolgreich verfilmten Biographie „Walk the Line“ ist er jedem aufmerksamen Zeitgenossen ein Begriff: Joaquin Phoenix. Der Schauspieler, der den 2003 verstorbenen Countrysänger Johnny Cash so genial spielte, dass man dabei ganz vergaß, wie der echte Cash denn war, steht schon seit dem zarten Alter von acht Jahren vor der Kamera. Für seine Rollen bereitet er sich oft monatelang vor. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Er spielt die Figuren nicht, er lebt sie!

Hippiefamilie und Nomadenleben

Joaquin wurde als drittes von fünf Kindern am 28. Oktober 1974 in San Juan, Puerto Rico, geboren. Seine Hippie-Eltern John Lee und Arlyn Bottom gehörten eine Zeit lang der Sekte „Kinder Gottes“ an und lebten mit ihren Kindern ein Nomadenleben in den verschiedensten Ländern Mittel- und Südamerikas. Sie unterrichteten ihre Kinder selbst und förderten ihre musischen Talente. Wenn das Geld wieder mal knapp war, musizierten Joaquin und seine Geschwister auf den Straßen. Joaquin nannte sich ab dem Alter von vier Jahren „Leaf“ (Blatt), da seine vier Geschwister ebenso naturverbundene Namen hatten: Rain Joan of Arc, Summer Joy, River und Libertad Mariposa. Ihren Nachnamen änderte die Familie 1977 von „Bottom“ auf „Phoenix“, nachdem sie – angeblich als blinde Passagiere auf einem Frachter – nach Los Angeles gezogen waren. In L.A. erhielten die Phoenix-Sprösslinge über eine Schauspieleragentur erste Rollen in Fernsehserien. Ende der Achtziger Jahre zog die Familie nach Florida, wo sich knapp zuvor die Universal Studios in Orlando niedergelassen hatten. Joaquin konnte im Alter von vierzehn Jahren bereits auf sieben Mitwirkungen an TV-Serien und Filmen zurückblicken.

Früh übt sich: Seine Filmkarriere

Die erste Rolle bekam der achtjährige Joaquin (sprich: Wah-Kin) gemeinsam mit seinem um vier Jahre älteren Bruder River in der TV-Serie „Seven Brides for Seven Brothers“ (1982). Es folgten Rollen in „Backwards The Riddle of Dyslexia“ (1984), „Kids Don´t Tell“ (1985), „Morningstar/Eveningstar“ (1986) und dem Weltraum-Film “Space Camp” (1986). 1987 spielte er mit seiner um vier Jahre jüngeren Schwester Summer und Carol King in „Russkies“, 1988 in „Secret Witness“. Darauf folgend spielte er 1989 unter der Regie von Ron Howard (Regisseur von „Sakrileg – The Da Vinci Code“) in „Parenthood – Eine Wahnsinnsfamilie“ neben Dianne Wiest und Steve Martin. Nach dieser Rolle machte er eine sechsjährige Drehpause (mit Ausnahme von „Walking the Dog“, 1991). Er tingelte etwa drei Jahre lang teilweise alleine, zum Teil mit seinem Vater – die Eltern hatten sich getrennt – durch Mexico, Südamerika und Kuba. Eigenen Angaben zufolge sammelte er in dieser Zeit auch seine ersten Erfahrungen mit Frauen.

Zu Halloween 1993 musste er hilflos zusehen, wie sein Bruder River nach einem Drogenmix vor Johnny Depps Lokal „Viper Room“ zusammenbrach. Joaquins Notruf wurde tagelang in den US-Medien ausgestrahlt. Sein geliebter Bruder, der hoffnungsvolle Schauspieler River Phoenix („Stand by me“, „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“, etc.), starb Stunden später 23-jährig und Joaquin, der sich seit seinem Mexico-Trip wieder von „Leaf“ auf „Joaquin“ umbenannt hatte, gab Hollywood und dem damit verbundenen Umgang und Druck die Schuld an dessen Tod. Er zog sich in der Folge völlig von Hollywood zurück und musste von Freunden 1995 überredet werden, mit Matt Dillon und Nicole Kidman „To Die For“ zu drehen. In dieser Rolle gelang dem 21-Jährigen als Schüler Jimmy, der seine Geliebte (gespielt von Kidman) zum Mord an ihrem Ehemann animiert, der Durchbruch und er kehrte damit zurück ins Rampenlicht. 1997 spielte er neben Liv Tyler und Billy Crudup eine der Hauptrollen in „Die Abbots – Wenn Hass die Liebe tötet“ (1997). An der Seite von Sean Penn, Nick Nolte und Jennifer Lopez verkörperte er 1997 Tobey, einen eifersüchtigen Halbstarken in „U-Turn – Kein Weg zurück“. Es folgte im nächsten Jahr „Clay Pigeons“, in dem er die Titelrolle des „Clay Bidwell“ neben Vince Vaughn spielte. Im selben Jahr folgte ein weiterer Film an der Seite des Schauspielers Vaughn: „Return to Paradise – Für das Leben eines Freundes“. Einen punkigen Pornovideohändler mimte er im Thriller „8mm – Acht Millimeter“ (1999) neben Nicholas Cage.

Zum absoluten Star machte ihn die Rolle als Kaiser Commodus, Sohn des Kaisers Marcus Aurelius, in „Gladiator“ (2000). Für diese Darstellung wurde er u. a. für den Oscar und den Golden Globe als bester Nebendarsteller nominiert. Er war eine Zeitlang in Italien gewesen, um die Mentalität der Italiener zu verstehen und konnte die gewonnenen Kenntnisse wohl gut für seine Rolle gebrauchen. Im Gangsterdrama „The Yards“ spielte er ebenso im Jahre 2000 neben Mark Wahlberg einen korrupten Geschäftsmann. Es folgten die Filme „Quills – Macht der Besessenheit“ (2000), „Buffalo Soldiers“ (2001) und „Ultimate Fights from the Movies“ (2002). Im Science-Fiction-Thriller „Signs – Zeichen“ (2002) schlüpfte Joaquin in die Rolle des Bruders von Graham Hess, gespielt von Mel Gibson. Nach „It´s all about Love“ (2003) lieh er in Disneys Zeichentrickfilm „Brother Bear“ einem Jungen, der sich in einen Bären verwandelt, seine Stimme. Im Action-Drama „Ladder 49 – Im Feuer“ (2005) mimt Joaquin Phoenix einen todesmutigen Feuerwehrmann, der in Lebensgefahr seine Vergangenheit Revue passieren lässt. Ebenso zu diesem Film hat er Vorkenntnisse mitgebracht: Er hatte bei der Feuerwehr in Baltimore gearbeitet. Im Gruselthriller „The Village – Das Dorf“ spielt er in einem von mystischen Kreaturen bedrohten Dorf des Jahres 1897 den rebellischen Lucius Hunt, der mit seiner Neugier furchtbare Geschehnisse auslöst. Eine kleine aber Aufsehen erregende Rolle bekleidete er in dem Drama „Hotel Rwanda“ (2005), in dem es um die abscheulichen Morde am Volk Ruandas geht.

Walk The Line

Einer von Joaquins Beweggründen, diese anspruchsvolle Rolle zu übernehmen war, dass das Drehbuch zu „Walk The Line“ das Beste gewesen sei, das er je gelesen habe. Zum anderen habe die Tatsache mitgespielt, dass sein Freund James Mangold dieses faszinierende Drehbuch geschrieben hatte und in dem Film Regie führte. Als dritten gewichtigen Grund für die Annahme einer derart heiklen Charakterdarstellung, führte er an, Johnny Cashs Musik zu verehren, seit er denken kann.

Johnny Cash (1932-2003), dessen dramatisches Leben in dem Film bis zum Jahre 1968 gezeigt wird, war mit der Darstellung seiner Person durch Joaquin Phoenix durchwegs zufrieden. Der damals schon schwerkranke Folk- und Country-Musiker lud Joaquin kurz vor seinem Tod zu sich nach Hause sein. Für seine Hauptrolle in der autobiographischen Verfilmung hatte Joaquin wie Cash zu singen gelernt, um alle im Film vorgetragenen Songs selbst dar zu bringen. Er hatte sich monatelang auf diese schwierige Rolle vorbereitet, Cashs Stimme, seine Bewegungen und dessen Gitarrenspiel studiert. Er musste in dem Film zudem die Alkohol- und Drogensucht der Country-Legende darstellen und schlitterte dabei selbst in eine Alkoholabhängigkeit, die er nach den Dreharbeiten in einer Suchtklinik therapieren lassen musste.

Joaquin Phoenix hat für seine phantastische Leistung in „Walk The Line“ den Golden Globe als Bester Darsteller erhalten. Ebenso Reese Witherspoon („Natürlich Blond“, 2001/2003) erhielt den Golden Globe für ihre Rolle als Cashs Bühnenkollegin und Angebetete June Carter. Für den Oscar waren beide Schauspieler nominiert, bekommen hat ihn allerdings nur Reese. Ein Umstand, der viele verwundert und manche gar ärgert. Außer Joaquin …

June Carter Cash ist 2003 übrigens nur vier Monate vor ihrem Mann verstorben. Sie haben einen gemeinsamen Sohn: John Carter Cash (1970). Er agierte als ausführender Produzent in „Walk The Line“ und hatte darin eine kleine Nebenrolle.
Joaquins neuester Film wird im Übrigen „We Own The Night“ heißen und 2007 in die Kinos kommen.
Joaquin ganz persönlich

Joaquin Phoenix gilt als sehr zurückhaltend, Kritiken und Auszeichnungen seien ihm zudem egal. Er brauche den Widerspruch, um sich gut zu fühlen. Einzig Country-Sänger Kris Kristoffersons Lob über die Darstellung seines engen Freundes Johnny Cash habe ihn gefreut.

Joaquin Phoenix ist seit seiner Kindheit Veganer, welches bedeutet, dass er es verweigert, tierische Lebensmittel (Fleisch, Fisch, Eier, Butter, Honig, etc.) zu sich zu nehmen. Jegliche Ausbeutung von Tieren wird von der Vereinigung PETA (People for the Ethical Treatment of Animals), bei der er Mitglied ist, abgelehnt. So vermeiden es die Veganer ebenso, aus Tierhaut oder Fell hergestellte Kleidung zu tragen. Seiner Brust wohnt also eine große Tierliebe inne, doch mit sich selbst ist er nicht so zimperlich: Er ist passionierter Kettenraucher. Allerdings habe seiner Meinung nach das eine mit dem anderen nichts zu tun. Stimmt: Der Verzicht der Veganer auf tierische Nahrung resultiert bekanntlich nicht aus gesundheitlichen, sondern eher gesellschaftlichen Motiven.

Die markante Narbe über seiner Oberlippe, die ihm das wilde und zugleich verletzliche Antlitz verleiht, stammt übrigens nicht wie so oft fälschlich behauptet von einer operierten Hasenscharte. Dieser Einschnitt existierte seiner Mutter zufolge in dieser Form bereits bei der Geburt.

Joaquin und die Liebe

Seine Hörner hat er sich angeblich in der Schaffenspause Anfang der Neunziger Jahre abgestoßen. Bis November 1998 war er drei Jahre lang mit der Schauspielerin Liv Tyler („Armageddon“, „Der Herr der Ringe“, etc.) liiert, die er bei den Dreharbeiten zu „The Abbots – Wenn Hass die Liebe tötet“ kennen gelernt hatte. Mittlerweile ist Miss Tyler mit einem britischen Musiker verheiratet und hat mit ihm ein Kind. Kürzlich erst kursierten Gerüchte, Joaquin habe ein Techtelmechtel mit Schauspielerkollegin Eva Mendes („We Own The Night“), die allerdings in einer fixen Beziehung mit einem Regisseur steht. Ein paar Wochen zuvor gab es Berichte über eine Affäre mit der Schauspielerin Kirsten Dunst („Spider Man“, „Marie-Antoinette“, etc.) und lediglich einen Monat davor waren Gerüchte aufgekommen, Joaquin bilde mit der zwölf Jahre jüngeren Pop-Sängerin und Schauspielerin Lindsay Lohan ein Paar. Er scheint die Abwechslung in seinem Liebesleben zu lieben und sich festzulegen ist wohl nicht seine Stärke. Zumindest glaubt er angeblich nicht an die „Liebe auf den ersten Blick“, wie sie Johnny Cash und June Carter erlebten. Er kenne von sich eher das „Begehren auf den ersten Blick“. Liebe könne doch erst mit Kenntnis der Persönlichkeit des anderen entstehen.

Ansonsten ist er ein Mensch, der nichts wirklich leicht nimmt, wie sicher auch seine Freunde Vince Vaughn, Ben Affleck, Russell Crowe oder Matt Damon bezeugen können.

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Categories: Stars & Sternchen Tags: gelesen: 1761 · heute: 4 · zuletzt: 22. April 2014
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