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HDTV – Das Fernsehen der Zukunft?

22. Juni 2009 Keine Kommentare

Die Technik schreitet unaufhaltsam voran – besonders in der Unterhaltungselektronik. Neue Bildschirmtechniken und digitale Frequenzen ermöglichen immer besseren Seh-Genuss. Zu den neuesten Trends zählt HDTV, das auch häufig als Fernsehen der Zukunft beworben wird. Doch was verbirgt sich hinter diesen vier Buchstaben? Und ist es wirklich so neu, wie wir denken?

Die Zukunft ist digital, darüber sind sich alle einig. Ob bei Kameras oder anderen Unterhaltungsmedien, überall liest man davon, dass veraltetet Analog-Techniken endlich ausgedient haben. In diesem Zusammenhang taucht auch immer wieder die Abkürzung HDTV auf, die ein besseres Fernsehen verspricht. HDTV steht dabei für High Definition TV und bezeichnet einen weltweiten digitalen TV-Standard, der im Breitwand-Format mit scharfen Konturen, satten Farben und einer beeindruckenden Tiefenschärfe die Augen der Zuschauer verwöhnt.

Das sind viele Versprechen, die dem Verbraucher gemacht werden. Doch worauf begründen sich diese Versprechen? Derzeit ist bei uns in Europa bei Fernsehgeräten der PAL-Standard verbreitet. Er verfügt über eine Auflösung von 576 Zeilen vertikal und 720 Linien horizontal, sowie eine 50 Hz Bildwiederholrate. Im amerikanischen Raum hingegen ist der NTSC-Standard verbreitet, der unserem sehr ähnelt, aber eine nicht ganz so gute Qualität aufweist.

Schlauer sind wir jetzt aber noch nicht unbedingt, denn mit diesem Fach-Chinesisch wissen wohl die wenigsten etwas anzufangen. Fakt ist allerdings, dass die Auflösung wohl der Schlüssel zum Fernsehgenuss ist, denn die Auflösung bestimmt den Detailreichtum des Bildes. Dann gibt es noch die Bildwiederholfrequenz, die für ein flimmerfreies Bild zuständig ist. Die Angabe der Hertz-Zahl sagt dabei aus, wie oft pro Sekunde ein Bildsignal geliefert wird.

Beim europäischen PAL-Standard sind es 50 Hz, sprich pro Sekunde werden 50 Bildsignale übermittelt. Die Signale sind allerdings nicht mit Bildern gleichzusetzen, denn der PAL-Standard beinhaltet außerdem das Halbbildverfahren und sendet so nur 25 Bilder pro Sekunde, da immer nur jede zweite Bildzeile verändert wird. Wir sehen also 50 Mal in der Sekunde ein halbes Bild. Zum Glück haben wir aber träge Augen und außerdem leuchten die Bildpunkte immer etwas nach, so dass die verzehrten Bilderhälften für uns zu einem ganzen Bild verschmelzen. Das Verfahren bezeichnet man dann als ‚interlaced’ – alternativ spricht man dann noch von ‚progressive’ wenn volle Bilder angezeigt werden.

Bei HDTV gibt es theoretisch vier verschiedene Formate:

  • t20p (progressive)
  • 1080i (interlaced)
  • 1125i (interlaced)
  • 1250i (interlaced)

Wir sprechen hier von der Theorie, da man sich bisher noch nicht darüber geeinigt hat, welches Format sich durchsetzen soll. Im Gespräch sind bisher das Format 720p und 1080i. Die Produktions- und Sendehardware, sowie die Empfangsgeräte sind bis auf einige wenige Ausnahmen auf beide Formate ausgelegt. So müssen die Anschaffungen für HDTV mit ein bisschen Glück nicht zweimal vorgenommen werden.

Die Anschaffungen sind es übrigens auch, die heute noch vielen Kopfzerbrechen bereiten. Damit man die Qualität von HDTV nämlich auch wirklich nutzen kann, sind besonders auf Seiten der Programm-Anbieter einige Investitionen notwendig. Kameras, Tonträger und auch Übertragungstechniken müssen hier für viel Geld auf den neuesten Stand gebracht werden.

Aber auch im privaten Bereich, also beim Zuschauer, sind oft Neuanschaffungen von Nöten. HDTV kann zwar theoretisch über Kabel und Satellit empfangen werden, aber aufgrund der geringen Bandbreite im Kabelnetz ist noch nicht sicher, ob ein Kabelempfang wirklich möglich ist. Besitzer von Sat-Anlagen, solange diese schon digital sind, haben hier also bisher die Nase vorn.

Neben der digitalen Sat-Schüssel benötigt man zum Empfang von HDTV als erstes einen DVB-S-Receiver, der HDTV-fähig ist. Hinzu kommt, dass nicht jeder normale Fernseher HDTV verarbeiten kann. Also muss auch das Display HDTV-tauglich sein. Auch hier könnten es zwar wieder 16:9- oder Rückprojektions-Fernseher sein, die man einsetzen kann – in der Praxis setzen sich allerdings Plasma-, LCD-Fernseher und Projektoren durch. Die Industrie nutzt das aus und bewirbt viele Fernseher mit dem Zusatz ‚HDTV-tauglich’, aber das entspricht nur selten der Wahrheit.

Aus diesem Grund hat im Januar 2005 die in Brüssel ansässige EICTA (European Information & Communications Technology Industry Assocciation) die Spezifikationen für ein HDTV-Gütesiegel veröffentlicht, das die Bezeichnung ‚HDTV-Ready’ trägt. Auch ASTRA, der große europäische Satelliten-Betreiber, möchte die Fernsehzuschauer nicht hinters Licht führen lassen. Deshalb wurde schon im Jahr 2004 das ‘European HDTV-Forum’ ins Leben gerufen, das ebenfalls ein Logo als Erkennungszeichen für HDTV-fähige Geräte vergibt.

So sollen die Zuschauer also für die neue Technik gewappnet werden, die eigentlich aber gar nicht so neu ist. Bereits Ende der 80er Jahre hat die EU-Kommission eine Entscheidung zur baldigen Einführung von HDTV getroffen. Steuergelder in großer Höhe wurden als Fördermittel in ein Projekt gesteckt, das allerdings auf die analoge Technik vertraute. Als irgendwann bemerkt wurde, dass man ohne Digital-Technik nicht wirklich weiter kommt, waren die Gelder aufgebraucht und das Projekt wurde eingestampft. Nach dieser Pleite traute sich dann niemand mehr an das Thema heran.

In der bis heute verstrichenen Zeit wurde der HDTV-Standard allerdings schon weltweit (bis auf Afrika) erfolgreich eingeführt. In der ganzen Welt senden schon jetzt viele bedeutende Fernsehsender in der neuen Qualität. Europa hinkt dem ganzen noch ziemlich hinterher, doch Experten nehmen an, dass bei uns spätestens zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 der Durchbruch beim HDTV erfolgt. Schon allein um die Spiele international vermarkten zu können, muss die Aufnahme in HDTV erfolgen – und das nutzen dann bestimmt auch viele Fußball-Fans auf und bringen ihr ‚Heimkino’ auf den neuesten Stand.

Zukünftig werden wir also nicht um die HDTV-Technik herum kommen. Hoffentlich sieht das auch die Industrie ein und senkt die Preise für Empfangsgeräte und Displays so, dass sich die Geräte auch schnell verbreiten. Denn was nützt die schönste Technik, wenn sie sich keiner leisten kann?

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