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Ayurvedische Kosmetik: Schön mit Ölmassagen und Kräuterkunde

25. September 2009

Ayurvedische Kosmetik ist eine sanfte Schönheitspflege, die auch gestressten Westlern gut tut. Doch um die ganzheitliche Körperpflege einzusetzen, muss die Kosmetikerin umdenken.

Ayurveda, Thai Chi und Feng Shui – die fernöstliche Welle passt perfekt in die westliche Wellness-Flut. Doch so ganz einfach ist die freundliche Übernahme in unseren Kulturkreis nicht. Schließlich stecken dahinter ganz andere Denkweisen und Lebensstile.

Aus dem Sanskrit übersetzt bedeutet Ayurveda, das Wissen vom Leben. Nach dieser indischen Heilslehre lässt sich der körperliche Zustand des Menschen durch drei Grundenergien definieren. Diese so genannten Doshas heißen Vata, Pitta und Kapha.

Vata steht für das Prinzip der Bewegung. Es ist verantwortlich für das Nervensystem, die Atmung und alle Bewegungsabläufe im Körper. Wenn dieses Dosha ausgeglichen ist, sind wir voller Energie, klar und wach. Pitta symbolisiert das Stoffwechselprinzip und ist für den Stoffwechsel und die Körpertemperatur zuständig. Wenn das Feuerelement Pitta im Gleichgewicht ist, sind wir zufrieden, sprachgewandt und scharfsinnig. Das Strukturprinzip Kapha sorgt für Festigkeit und Stabilität im Körper, was zum Element Erde passt. Ein ausgeglichenes Kapha schenkt Kraft, Ausdauer und Geduld.

Von Natur aus steht dieses Dreiergespann im Körper des Menschen ein Gleichgewicht. Durch Stress, Hektik, falsche Ernährung und vieles mehr geraten die Doshas aus dem Gleichgewicht. Das wirkt sich gesundheitlich aus und hat Folgen für die Haut.
Am Anfang steht die Analyse. Entsprechend überprüft die Ayurveda-Expertin, das kann eine Heilpraktikerin, eine Therapeutin oder eine entsprechend ausgebildete Kosmetikerin sein, zunächst, welchen Konstitutionstyp ihre Kundschaft hat. Meistens herrschen zwei Doshas vor, die zu bestimmten Hauttypen mit all den damit verbundenen Problemen führen.

Stark vereinfacht heißt das: Vata-Typen neigen zu trockener, sensibler Haut; Pitta- Typen haben normaler Haut mit zeitweilig auftretenden Problemen wie Pickeln und Pusteln sowie Schuppenflechte. Kapha-Typen tendieren zu fettiger Haut. Die meisten Menschen sind jedoch Mischtypen. Dann gilt es zunächst, die dringlichsten Probleme anzugehen. Hat ein Pitta/Kapha-Typ beispielsweise Pickel, dann werden die als erstes behandelt.

Entsprechend den drei Typen sind auch vielfach die Produkte, vor allem Öle, Shampoos sowie Gesichts- und Körperpflegelinien der Hersteller eingeteilt. So bringt die Cosmoveda eine Vata-Pflegeserie für trockene und anspruchsvolle Haut, eine Pitta-Serie für empfindliche und entzündliche Haut und ein Kapha-Pflegeset für fettige Haut heraus. Die Unterschiede liegen in den pflanzlichen Wirkstoffen. Während die trockene mit einem Gesichtstonic aus Orangenblütenwasser, Calendula, Iriswurzel und Curcuma erfrischt wird, beruhigt und kühlt die empfindliche Haut ein Mix aus Rosenblütenwasser, Kamille, Aloe Vera, Wildrosenfrüchten, Sandelholz und Amla.

Da Menschen mit Kapha-Haut eine von Natur aus fettende Haut haben, verzichtet die Firma Maharishi Ayurveda mit Sitz in Herkenbosch, Niederlande, auf eine Kapha-Creme: „Wir empfehlen, unsere Reinigungsmilch zu verwenden, die einen leicht rückfettenden Effekt hat und das Gesicht und Dekolletee danach mit unserem Skin Refresher zu nähren und zu erfrischen. Auf diese Weise profitieren auch Menschen mit Kapha-Haut von der Wirkung der ayurvedischen Kräuter,“ erläutert Karin Eva Bau vom Maharishi Marketing.

Die verschiedenen Anbieter ayurvedischer Kosmetik unterscheiden sich vor allem in den eingesetzten Pflanzenwirkstoffen. Zum Beispiel importiert das Stuttgarter Ayurveda Kontor seine gesamte Produktpalette – von Nahrungsergänzungsmittel über Kosmetika bis zu Massage-Ölen – direkt aus Indien. Originalrezepte und 5000 Jahre Erfahrung stehen hier hoch im Kurs. Auch die Qualitätskontrolle, zum Beispiel Rückstandskontrollen auf Schadstoffe übernehmen indische Labors.

Ganz anders bei Wellments. Der Hersteller aus Innsbruck bevorzugt europäische Heilpflanzen. Denn ihrer Meinung nach gehört es zur ayurvedischen Philosophie, dass wir uns mit dem pflegen und ernähren, was uns umgibt. Statt exotischer Botanik wie Sandelholz, Nussgras und Kamaliensamenöl, finden sich in der Wellments-Pitta-Creme grüne Bekannte wie Kornblume, Malve, Mädesüß und Stiefmütterchen. Nur die Grundlage, das schützende Sesamöl, erinnert an die Herkunft der Schönheitspflege.
Trotz unterschiedlicher Rezepte der einzelnen Unternehmen gibt es grundlegende Prinzipien. Im Mittelpunkt der Ayurveda-Kosmetik stehen immer Massagen mit hochwertigen Ölen. „Wir arbeiten vor allem mit verjüngenden und vitalisierenden Massagetechniken für Gesicht, Kopf, Nacken und Brust sowie am ganzen Körper.

Die Massagen entspannen, stimulieren das Hormonsystem und den Stoffwechsel und aktivieren spezielle Vitalpunkte (Marmas) die der Verjüngung dienen“, erläutert Kerstin Rosenberg, Geschäftsführerin vom Mahindra Institut in Birstein. Außer Ölen kommen natürliche Peelings, Frischfruchtmasken, Hydrolathe und Kräutersude sowie nährende und feuchtigkeitsspendende Pflegecremes zum Einsatz.

Im Gegensatz zu herkömmlicher Kosmetik geht es in der ayurvedischen Körperpflege nicht darum, fehlende Stoffe zu ergänzen. Denn eine trockene Haut, die ständig mit reichhaltigen Pflegestoffen verwöhnt wird, gewöhnt sich an die guten Gaben. Statt eigene Feuchtigkeit zu produzieren, legt sie sich buchstäblich auf die faule Haut.

Ein Stiefkind der indischen Schönheitspflege ist bisher die dekorative Kosmetik. Hier bieten die Hersteller vor allem Kajalstifte an. Dafür gibt es ein riesiges Sortiment an Nahrunsergänzungen und Tees. Alle Zielgruppen vom Kind über die werdende Mutter bis zum Senior können sich spezielle Pulver oder Tabletten bestellen. Für das seelisch-körperliche Gleichgewicht sorgen außerdem Kräutertees.

Grundsätzlich sind Ayurveda-Produkte einfach, sanft und natürlich. Chemikalien, mineralische Öle und synthetische Duftstoffe sind verboten. Ebenfalls tabu sind Inhaltsstoffe, für die Tiere ihr Leben opfern mussten. Üblich ist es dagegen, Ghee, ein traditionell hergestelltes Butterfett, als Grundlage zu benutzen. Undenkbar ist es auch, ayurvedische Produkte an Tieren zu testen.
Ayurveda ist zwar grundsätzlich natürlich, aber nicht unbedingt Naturkosmetik. Nur der Pionier der Ayurveda-Kosmetik, Maharishi, hat sich beim BDIH zertifizieren lassen und darf sich damit offiziell Naturkosmetik nennen.

„Leider ist der Begriff Ayurveda nicht geschützt, wodurch viele Produkte auf dem Markt sind, die bis auf den Namen nichts mit Ayurveda zu tun haben“, bedauert Julius Ehret vom Ayurveda Kontor. So muss die Kundin genau hinschauen, ob auch wirklich Ayurveda drin ist, wo Ayurveda drauf steht. Grundsätzlich gilt: Je besser es riecht, desto weniger Ayurveda. So können hochwirksame Neemprodukte der Nase ganz schön einheizen. Das Problem mit dem mangelnden Duft kennt auch Karin Bau von Maharishi: „Auf der Beauty-Messe haben ich schon gehört, dass unsere Produkte nicht gut genug riechen.“ Deswegen enthalten die meisten Kosmetika wohlduftende Aromaöle, die den Geruch der eigentlich wichtigen Heilpflanzen überdecken. Das muss jedoch mit dem Grundsatz einer reinen, auf wenige Wirkstoffe beschränkten Rezeptur abgewogen werden.

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